Hass und Verachtung

Donnerstag, 16.August.2012

Ein Pulk aus Menschen bildet sich vorm “Sonnenblumenhaus” in Rostock-Lichtenhagen, jubel und Beifall, kollektive “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus” Schreie unterstreichen die Stärke dieser Massen, einige Männer klettern auf Balkone, viele schmeißen Steine, Vorhänge werden in Brand gesteckt – die Menge jubelt. 1941, Nazi-Deutschland, zweiter Weltkrieg? Nein! Vor zwanzig Jahren ereigneten sich diese Szenen in den Nächten des 22.-25. August 1992 in Rostock-Lichtenhagen. Ein dunkles Kapitel der jüngeren, deutschen Geschichte.

In der Zeitnahen Doku “The truth lies in Rostock” geht es um eben diese Nächte, unzensiert und ehrlich. Ich habe bewusst diesen Film hier eingebunden und keinen anderen, denn er zeigt die Tatsachen ohne Zensuren und Einschränkungen.

Warum geht man in Schulen bis ins Kleinste auf den zweiten Weltkrieg und die Nazi-Propaganda ein,  erwähnt allerdings Ereignisse wie diese mit keinem Atemzug?
Bis gestern wusste ich nicht was und wann in Rostock-Lichtenhagen geschehen ist, aber dass es mich so mit Hass und Verachtung erfüllt hätte ich nicht erwartet. Es ist widerlich wie plump und, ihrer Meinung nach wohl richtig, diese Menschen ein Wohnhaus in Brand setzen mit dem Wissen, dass sich in selbigem noch Menschen befinden. Einer der Steinewerfer und Brandstifter, der sich vor die Kamera traut und “Stellung” nimmt, sagt im Verlaufe der Doku: “Naja das war kein Mitleid, das war eher Mitgefühl – der Verbrennt da vielleicht aber war ja nur ein Ausländer, einen haben wir gekriegt.”