Die Sache mit Twitter ist ja so: Twitter war in den letzten zwei Jahren immer mein bevorzugtes Social Network, nachdem Facebook MySpace und SchülerVZ (ja, für StudiVZ war ich immer zu jung) abgelöst hatte kam für mich schnell Twitter hinzu. Seit 2009 habe ich dort einen Account den ich, vor allem 2010, mit massig Content füllte, Menschen darüber kennen lernte die heute zu meinen besten Freunden zählen und sogar
Max kennengelernt habe mit dem ich nächstes Jahr nach Berlin ziehen möchte. Twitter ist super, Twitter ist witzig, Twitter ist Unterhaltung.
Vor allem ist Twitter aber auch Sucht. Stätiger profilierungsdrang, Selbstdarstellung ja teils sogar “Druck” – wofür? Ich weiß nicht. Die in Twitter fest etablierten “Elite Twitterer”, also eigentlich eine Ansammlung von Menschen die scheinbar den Bezug zwischen Online-Leben und Realität verloren haben und es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben zigtausend Follower im Minutentakt über ihr Leben zu informieren, zu Unterhalten und mit tollen Fotos zu versorgen, sind meiner Meinung nach das Größte Problem am deutschsprachigem Twitter. Ich möchte niemanden verurteilen und auch keine Beispiel Accounts aufführen. Stündlich Follower checken, Favstar im Minutentakt, die Favoriten unter den Favoriten mit einem “Tweet of the Day” küren, sich über Tweetklau beschweren - alles Symptome der Elite. Wohin hat das geführt? Genau, die breite Masse will so sein. Genau so. Im sinnfreien Online-Ruhm baden, von massig Menschen gelesen werden die man nicht kennt und – gäbe es sie noch – Top Tweets am laufenden Band schreiben.
Damals™ war alles anders. Ich für meinen Teil versuche schon immer witzig zu sein, paare das allerdings mit Selbstironie und Überheblichkeit sowie Dingen die mich im Alltag beschäftigen, ich interessiere mich nicht dafür ob mir 50, 100, 1000 oder 10000 Menschen die ich nicht kenne folgen, mir sind eine Hand voll Menschen wichtig die ich mag – und vor allem denen ich überwiegend schon lange folge. Dass sich mittlerweile doch 1300 Bots und ein paar Menschen finden die lesen was ich so täglich von mir gebe ist nett, aber nicht wichtig. In der kurzen Zeit in der mein Account deaktiviert war, ich auf einen kleinen zweit Account umstieg und diesen Blog anpasste schrieb ich genauso Tweets wie vorher. Favs, Retweets und all der Quatsch sind mir nicht wichtig, ich möchte vor allem informieren, gelesen werden, gern Diskussionen führen und Feedback sowie Hilfe bekommen. Schon oft habe ich fragen zu verschiedensten Themen (meist Webkram) gestellt und bekam super Antworten – das freut mich und dafür bin ich dankbar. Außerdem nutze ich Twitter als Informationsquelle für Nachrichten und aktuelle Ereignisse, den kein anderes Netzwerk bietet schnellere Live-Informationen und Updates – das ist faszinierend, das ist Echtzeit und das ist die Zukunft.
Ich wünsche mir mehr ein gemeinsames Twitter anstatt ein Elite Twitter in dem jeder der beste, coolste und vor allem der mit dem größten Penis ist, im echten – offline – Leben aber nichts dergleichen zu bieten hat und/oder es zu nichts bringt. Auf Twitter zählen heutzutage nur noch Follower, Favs und Retweets und wir alle machen dieses wunderbare Netzwerk langsam kaputt.